3.4 Sprecht mit euren Stakeholder:innen!
Stakeholderbefragung
Der Austausch über Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche eurer potentiellen Zielgruppe und weiteren Stakeholdern ist sehr hilfreich, um eure Idee zu verfeinern.
Hilfreiche Fragen sind beispielsweise:
- Welche Erwartungen habt ihr an ein derartiges Produkt/eine derartige Dienstleistung?
- Welche Summe seid ihr bereit dafür zu zahlen?
- Welche Anforderungen muss das Produkt/die Dienstleistung für euch erfüllen?
- uvw.
Die Fragen sind stark abhängig von eurer Idee und euren kritischen Kernannahmen und ihr müsst für eure Idee festlegen, was euch im Prozess voranbringt.
Exkurs Kernannahmen:
Kernannahmen aufstellen
Um ein Produkt zu erstellen, geht man automatisch von einigen Dingen aus – zum Beispiel, dass dieses Produkt gekauft werden wird oder überhaupt herstellbar ist. Wenn man diese Kernannahmen nicht zu Beginn überprüft, läuft man Gefahr, viel Zeit und Geld in eine Sache zu stecken, die am Ende gar nicht funktioniert!
Beispiel: Nehmen wir an, wir wollen eine App entwickeln, die es uns ermöglicht, barrierefreie Orte in unserer Umgebung zu entdecken.
In dieser Idee stecken eine Menge Kernannahmen, die es zu überprüfen gilt, z. B:
- Es ist technisch möglich, eine App zu programmieren.
- Es gibt barrierefreie Orte.
- Es gibt Menschen, die Interesse an einer derartigen App haben.
- Es ist technisch und (datenschutz-)rechtlich möglich, barrierefreie Orte in einer App anzeigen zu lassen.
- Die Menschen, die Interesse an barrierefreien Orten haben, nutzen Smartphones und damit Apps.
- Eine derartige App ist finanzierbar.
- uvm.
Einige der Annahmen sind relevanter für den Erfolg einer Idee als andere. Bei diesen Kernannahmen sprechen wir von kritischen Kernannahmen. Wenn kritische Kernannahmen nicht erfüllt sind, wird die Idee und somit das Unternehmen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit scheitern. In unserem Beispiel wäre u. a. die technische Umsetzbarkeit eine solche kritische Kernannahme.
Aufgabe: Sammelt möglichst viele Kernannahmen (mind. 10) für eure Idee und identifiziert die kritischen Kernannahmen (mind. 3).
Tipp: Bevor ihr eure potentiellen Nutzer:innen befragt, überlegt euch noch ein mal genau, welche Personen zu eurer Zielgruppe gehören. Geht dafür einen Schritt zurück und schaut, ob ihr die Persona aus dem Kapitel davor detailliert und sorgfältig ausgearbeitet habt. Erstellt den Fragebogen/die Umfrage aufbauend auf der identifizierten Zielgruppe und eurem Corporate Design.
Umfragen und Fragebögen
Eine Umfrage ist eine beliebte Forschungsmethode. Sie ist allerdings nur hilfreich, wenn genau die Daten erhoben werden, die ihr für eure Weiterentwicklung benötigt. Außerdem müsst ihr sicherstellen, dass alle Teilnehmenden eure Fragen richtig verstehen und beantworten. Das ist nur möglich, wenn ihr bei der Erstellung des Fragebogens nicht aus den Augen verliert, was genau ihr wissen wollt.
Aufgabe: Im ersten Schritt müsst ihr euch für eine Umfrageform entscheiden (digital, online, analog, persönlich, Interview, standardisiert).
Entwerft im Anschluss einen Fragebogen oder eine Umfrage mit mind. vier Fragen, um eure kritischen Kernannahmen zu überprüfen.
Tipp: Achte bei der Formulierung eures Fragebogens auf folgenden Regeln!
- Einfache Formulierung: keine Fachbegriffe, Abkürzungen etc.
- Kurze Sätze: Ab ca. 15-20 Wörtern kann es zu Problemen beim Verständnis kommen.
- Überlegt euch genau, was ihr mit der Frage herausfinden wollt.
- Keine Suggestion (=Vorgeben) von Antworten: „Bewertest du den Fleischkonsum auch kritisch?”
- Neutrale Formulierungen: Vermeidung wertender Begriffe.
- Keine hypothetischen Fragen.
- Keine doppelten Verneinungen.
- Jede Umfrage muss einen Hinweis zum Datenschutz enthalten.