2.2 Ideenvertiefung
Übergang von Ideenfindung zu Ideenvertiefung
Im vorherigen Kapitel habt ihr viele verschiedene Ideen gesammelt. Dabei ging es bewusst darum, kreativ, offen und ohne Bewertung zu denken. Jetzt beginnt die nächste Phase eures Projekts: Ihr wählt aus, bündelt und fokussiert eure Ideen.
Denn ein gutes Projekt entsteht nicht aus möglichst vielen Ideen, sondern aus einer starken Idee, hinter der das ganze Team steht.
Fokus- & Interessenabgleich
Bevor ihr mit der Ausarbeitung eurer Lösung startet, diskutiert in eurem Team die Frage: Welche unserer gesammelten Ideen finden wir besonders spannend oder wichtig? Warum?
Dazu könnt ihr euch an den folgenden Leitfragen orientieren.
- Welche Idee passt am besten zu unserer Vision?
- Mit welcher Idee wollen wir uns über einen längeren Zeitraum intensiv beschäftigen?
- Welche Idee motiviert alle im Team?
Nehmt euch Zeit für den Austausch und hört euch gegenseitig aufmerksam zu. Entscheidet euch anschließend gemeinsam für eine Leitidee, mit der ihr weiterarbeiten wollt.
Von der Idee zur Lösung
Ihr habt euch nun für eine Idee entschieden. In den nächsten Schritten geht es darum, diese konkret auszuarbeiten, zu durchdenken und weiterzuentwickeln.
Schritt 1: Macht eure Idee konkret – Wie funktioniert eure Lösung?
Viele Ideen klingen zunächst gut, bleiben aber noch unklar.
Deshalb ist der erste Schritt: Eure Lösung anschaulich und verständlich machen.
Aufgabe: beschreibt den Ablauf und überlegt gemeinsam:
- Was genau soll eure Lösung tun?
- Wie wird sie genutzt?
- Was passiert Schritt für Schritt?
Beschreibt den Ablauf:
So funktioniert unsere Lösung:
…
…
…
…
Beispiel (Lebensmittelverschwendung):
- Restaurants melden übrig gebliebene Speisen auf einer Plattform.
- Nutzer:innen sehen Angebote in ihrer Nähe.
- Sie reservieren Essen.
- Abholung vor Ladenschluss.
Schritt 2: Prüft eure Wirkungslogik – Löst eure Idee wirklich das Problem?
Jetzt überprüft ihr, ob eure Lösung logisch zum gewünschten Ziel führt.
Aufgabe: Wenn–Dann–Weil
Vervollständigt den Satz:
„Wenn wir … tun, dann …, weil …“
Beispiel (Lebensmittelverschwendung):
Wenn wir eine Plattform für überschüssige Speisen entwickeln,
dann werden weniger Lebensmittel weggeworfen,
weil Kund:innen diese rechtzeitig kaufen und abholen können.
Schritt 3: Denkt eure Lösung aus Nutzersicht
Eine gute Lösung orientiert sich immer an den Bedürfnissen der Menschen, die sie nutzen sollen.
Aufgabe: Nutzerreise (User Journey)
Versetzt euch in die Lage eurer Zielgruppe:
- Wie erleben sie das Problem?
- Wie kommen sie mit eurer Lösung in Kontakt?
- Was passiert bei der Nutzung?
- Wie fühlen sie sich danach?
Beschreibt den Weg eine:r Nutzer:in:
Vorher: …
Während: …
Nachher: …
Beispiel (Lebensmittelverschwendung):
Vorher: Eine Studentin möchte günstig essen.
Während: Sie entdeckt Essensangebote in der App.
Nachher: Sie hat Geld gespart und Lebensmittel wurden gerettet.
Schritt 4: Werdet Expert:innen für euer Thema – Recherche
Gute Ideen entstehen nicht nur aus Kreativität, sondern auch aus Wissen. Denn nur wer sein Themenfeld wirklich versteht, kann gute Lösungen entwickeln. Achtet bei der Recherche auf gute und seriöse (Internet-)Quellen und nutzt Studien & Zeitungsartikel, Videos und Dokumentationen, Interviews mit Betroffenen oder Expert:innen. Teilt euch auch gerne innerhalb eures Teams auf bestimmte Themenbereiche auf und bringt alle Erkenntnisse am Ende zusammen.
Hier sind noch ein paar Recherche-Tipps zu einzelnen Themengebieten für euch.
🏠 Wohnen, Energie & Mobilität
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
- Umweltbundesamt (UBA)
- Agora Energiewende
- Bund der Energieverbraucher e.V.
- Bundesvereinigung Bauwirtschaft
🌍 Klima- & Ressourcenschutz
- Planet Wissen (ARD, ZDF, WDR, SWR)
- WWF Deutschland
- Bundesministerium für Umwelt (BMUV)
- Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
🤖 Künstliche Intelligenz & Digitales
- Bundeszentrale für politische Bildung – Digitales & KI
- KI-Campus – Die Lernplattform für Künstliche Intelligenz
- Bitkom – Digitalverband Deutschland
- Bundesnetzagentur
🎓 Chancengerechtigkeit & Bildung
- Deutsches Schulportal (Robert Bosch Stiftung)
- Bundeszentrale für politische Bildung – Bildung & Soziales
- OECD – Bildung & Chancengleichheit (auf englisch)
- Bundesamt für Soziale Sicherung
👩💼 Arbeitswelt
- Bundesagentur für Arbeit – Arbeitsmarkt & Trends
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
- Hans-Böckler-Stiftung
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
- Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister e. V.
- Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
💶 Wirtschaftspolitik & Finanzen
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- ifo Institut – Wirtschaft einfach erklärt
- Bundeszentrale für politische Bildung – Wirtschaft
- Bankenverband Bundesverband deutscher Banken
- Bundesverband Finanzdienstleistungen (FiFa)
- Bundesfinanzhof
- Deutscher Steuerberater-Verband
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
🧠 Lifestyle
- Planet Wissen – Konsum & Alltag
- Utopia – Nachhaltig leben
- Stiftung Warentest (Konsumverhalten)
- Spektrum.de – Wissenschaft verständlich erklärt
Übergreifend:
- Destatis – Statistisches Bundesamt Deutschland
- Bundeszentrale für politische Bildung – Zahlen & Fakten
- OECD Data (auf englisch)
- World Bank Data
- Daten der Vereinten Nationen (UN)
- Gapminder (auf englisch)
Schritt 5: Kritischer Blick – Wo könnte es schwierig werden?
Gute Teams denken auch über mögliche Probleme nach, um ihre Idee frühzeitig zu verbessern.
Aufgabe: Stolpersteine erkennen
Überlegt:
- Was könnte bei unserer Lösung schwierig werden?
- Wo könnten Nutzer:innen abspringen?
- Was könnte in der Umsetzung problematisch sein?
Notiert mindestens drei mögliche Probleme und passende Verbesserungsideen.
Zusammenfassung
Ihr habt eure Idee nun intensiv durchdacht, konkretisiert und weiterentwickelt.
Aus einer ersten Idee ist eine klare, strukturierte Lösung geworden.
Damit habt ihr eine sehr wichtige Grundlage für euer Projekt geschaffen.
Im nächsten Kapitel werden euch die diesjährigen YES!-Bewertungskriterien vorgestellt. So bekommt ihr einen klaren Orientierungsrahmen, an dem ihr euch im weiteren Projektverlauf immer wieder ausrichten könnt.