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Vererbung von Armut – wie kann der Kreislauf durchbrochen werden?

Kinder, die in Armut aufwachsen, sind später als Erwachsene häufiger von Armut betroffen. Das ist einer der stabilsten Befunde der Sozialforschung, in Deutschland wie in anderen Ländern. In Deutschland ist etwa jedes fünfte Kind über einen Zeitraum von fünf Jahren dauerhaft oder wiederkehrend von Armut betroffen. Kinderarmut und Arbeitslosigkeit der Eltern gehen oft Hand in Hand. Kinder, die lange in einem Haushalt mit Grundsicherung leben, beginnen seltener eine Ausbildung, haben seltener eine Arbeit und beziehen als Erwachsene häufiger selbst Grundsicherung.
Woran liegt das? Eine Antwort ist, dass Armut selbst später wieder Armut verursacht. Eine andere Antwort ist, dass sich arme Familien auch in anderen Punkten von finanziell besser gestellten Familien unterscheiden, beispielsweise in Bezug auf die Bildung oder die Gesundheit der Eltern. Diese Unterschiede wirken sich auf beide Generationen aus. Die Antwort ist wichtig für die Politik. Wenn Armut die Ursache ist, kann mehr Geld für arme Familien den Kreislauf durchbrechen. Wenn der Familienhintergrund die Ursache ist, reicht Geld allein jedoch nicht aus. Armut und Benachteiligung sind nicht dasselbe. Armut ist eine Grenze. Mit Geld kann der Staat eine Familie über diese Grenze heben. Sie gilt dann nicht mehr als arm. Vieles, was mit Armut zusammenhängt, bleibt jedoch gleich. Armut zu verringern und den Kreislauf zu durchbrechen, sind deshalb zwei verschiedene Ziele.
Armut kann auf verschiedene Weise von den Eltern auf die Kinder übertragen werden. Ein Weg hat mit fehlenden finanziellen Ressourcen zu tun. Eltern mit wenig Geld können weniger in ihre Kinder investieren. Sie können beispielsweise keine Nachhilfe bezahlen, ihre Kinder während eines Praktikums nicht finanziell unterstützen oder mit ihnen nicht in eine Region mit mehr Arbeitsplätzen umziehen. Ein weiterer Weg hat mit Schule und Ausbildung zu tun. Kinder aus armen Familien verlassen die Schule im Durchschnitt mit schlechteren Abschlüssen und beginnen auch dann seltener eine Ausbildung, wenn sie die gleichen Noten wie andere Kinder haben. Ein dritter Weg hängt mit Kontakten zusammen. Viele junge Menschen finden ihre erste Stelle über ihre Eltern. Arbeitslose Eltern haben jedoch weniger Kontakte, die sie für die Jobsuche ihrer Kinder nutzen können. Ein vierter Weg hängt mit Gesundheit zusammen. Armut und Arbeitslosigkeit belasten die Eltern psychisch. Das kann wiederum die Gesundheit, die Motivation und das Selbstvertrauen der Kinder beeinträchtigen.
Wie kann der Kreislauf der „Vererbung“ von Armut durchbrochen werden? Wie können Kinder aus finanziell benachteiligten Verhältnissen unterstützt werden? Wie kann der Übergang von der Schule in Ausbildung und Arbeit für sie erleichtert werden? Und was können die Jobcenter und Arbeitsagenturen tun, deren Aufgabe es ist, Menschen bei der Arbeitssuche zu helfen? Diesen und ähnlichen Fragen wollen wir in diesem YES!-Projekt nachgehen.

zur Anmeldung

Must-Read-Literatur

Brunner, J., Knize, V., Schiele, M. & Wolf, M. (2025). Kinder aus Haushalten, die über längere Zeit SGB-II-Leistungen beziehen, haben geringere Ausbildungs- und Beschäftigungschancen. IAB-Forum, 10. Juni 2025. (Link)

Riphahn, R. T. & Feichtmayer, J. (2024). Intergenerational transmission of welfare benefit receipt: Evidence from Germany. Review of Income and Wealth, 70(4), 1226–1251. (Link)

Weiterführende Literatur

Fischer-Neumann, M. & Böhnke, P. (2022). With a little help from my peer clique: Mitigating the intergenerational transmission of poverty. European Sociological Review, 38(5), 799–815. (Link)

Parolin, Z., Pintro-Schmitt, R., Esping-Andersen, G. & Fallesen, P. (2025). Intergenerational persistence of poverty in five high-income countries. Nature Human Behaviour, 9(2), 254–267. (Link)

Tophoven, S., Lietzmann, T., Reiter, S. & Wenzig, C. (2017). Armutsmuster in Kindheit und Jugend. Längsschnittbetrachtungen von Kinderarmut. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. (Link)

Zabel, C. (2018). Familien mit Arbeitslosengeld-II-Bezug: Kinder profitieren von der Förderung ihrer Eltern. IAB-Kurzbericht 27/2018. (Link)

Partnerinstitut

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Das Thema wird betreut von

Dr. Jonathan Latner

Jonathan Latner studierte Soziologie an der University of Wisconsin-Madison und der University of Massachusetts-Lowell. Im Anschluss arbeitete er fast zehn Jahre lang im Bereich der Implementierung und Evaluierung von Weiterbildungsprogrammen. Anschließend promovierte er und arbeitete als Postdoktorand an der Universität Bamberg und der Bremen International Graduate School of Social Sciences. Seit 2023 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und arbeitet dort im Bereich „Erwerbslosigkeit und Teilhabe“.

In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Armut, Grundsicherungsbezug und der Qualität von Arbeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt. Er hat zu einer Vielzahl an Themen publiziert: Gewährleistung des Datenschutzes bei der Erhebung statistischer Daten, Zeitarbeit, wirtschaftliche Unsicherheit, Mindesteinkommen, Ungleichheit und Mobilität, Wohnen.

Dr. Monika Senghaas

Monika Senghaas studierte Wirtschaftspsychologie und Europastudien an den Universitäten Lüneburg, Frankfurt/Oder und Brno. Von 2008 bis 2013 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Leipzig. Dort erfolgte ihre Promotion zu den Zusammenhängen zwischen Sozialstaats- und Nationenbildung. Seit 2015 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Sozialpolitikforschung. Sie beschäftigt sich mit der Umsetzung von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in der Arbeitsverwaltung, dem Erleben von Arbeitslosigkeit und Leistungsbezug und Gerechtigkeitsvorstellungen im Zusammenhang mit Sozialpolitik.

Lust mitzumachen? Dann meldet euch hier an:

Die Anmeldung für das YES! 2027 ist für Schülerteams ab dem 02. November möglich. Schulteams ab der 10. Klasse können am Wettbewerb teilnehmen.

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