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100 Jahre und wie weiter? Die Zukunft der Arbeitslosenversicherung

Was passiert, wenn jemand plötzlich seinen Job verliert? Seit dem 16. Juli 1927 gibt es in Deutschland eine Antwort darauf: die Arbeitslosenversicherung. Damals wurde sie als vierte Säule der Sozialversicherung eingeführt, neben Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Zum ersten Mal hatten Arbeitslose einen Rechtsanspruch auf finanzielle Unterstützung. Auch heute, fast 100 Jahre später, ist die Arbeitslosenversicherung ein zentraler Baustein unseres Sozialsystems. Sie ist im Sozialgesetzbuch III geregelt und wird von der Bundesagentur für Arbeit umgesetzt, die mit ihren rund 150 Agenturen für Arbeit bundesweit präsent ist.
Die Aufgaben der Arbeitslosenversicherung sind vielfältig. Einerseits sichert sie arbeitslose Menschen finanziell ab und verschafft ihnen Zeit für die Suche nach einem neuen Job. Wer arbeitslos wird, sich bei der Agentur für Arbeit meldet und zuvor sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, erhält für eine gewisse Zeit Arbeitslosengeld. Darüber hinaus fördert die Arbeitslosenversicherung berufliche Weiterbildungen, um die Chancen von arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Die Agenturen für Arbeit unterstützen zudem Arbeitslose bei der Stellensuche und beraten Schüler\*innen sowie Berufstätige zur Berufsorientierung und Berufswegfindung. In schwierigen Zeiten, wie beispielsweise einer Wirtschaftskrise, sichert die Arbeitslosenversicherung mit Kurzarbeitergeld vorübergehend Löhne, um Entlassungen zu vermeiden.

Gerade in Zeiten unsicherer wirtschaftlicher Aussichten, wie sie aktuell herrschen, ist die Arbeitslosenversicherung ein wichtiges Sicherheitsnetz. Sie kann dabei helfen, Ängste vor einem Jobverlust abzumildern. Doch gleichzeitig sieht sie sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Aufgrund der anhaltenden Konjunkturschwäche übersteigen die Ausgaben die Einnahmen der Arbeitslosenversicherung seit einigen Jahren und es wird diskutiert, wie mit diesem finanziellen Defizit umgegangen werden sollte. Gleichzeitig unterliegt der Arbeitsmarkt durch die Alterung der Gesellschaft, die zunehmende Digitalisierung und die ökologische Transformation einem grundlegenden Wandel. Die Arbeitslosenversicherung muss darauf reagieren und ihre Arbeitsmarktstrategien sowie ihre Qualifizierungs- und Beratungsangebote entsprechend anpassen.

Wie sollte eine gerechte Arbeitslosenversicherung ausgestaltet sein? Wie können ihre Dienstleistungen aussehen, um den sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes und dem Bedarf der Beratenen zu genügen? Wie können Menschen gezielt unterstützt werden, die es am Arbeitsmarkt besonders schwer haben, wie ältere Arbeitslose oder Migrant\*innen? Diesen und ähnlichen Fragen könnte sich ein spannendes YES!-Projekt widmen.

zur Anmeldung

Must-Read-Literatur

Stephan, Gesine; Trenkle, Simon & Fitzenberger, Bernd (2026): Ein Beitrag zur Debatte um das aktuelle Defizit in der Arbeitslosenversicherung: Wer wie lange Arbeitslosengeld bekommt – und was es kostet. IAB-Kurzbericht 16/2026.

Heusler, Anna; Lang, Julia; Sprenger, Christian & Stephan, Gesine (2025): Die Berufsberatung im
Erwerbsleben. In: Denk-doch-Mal.de H. 2, S. 1-8. (Link)

Weiterführende Literatur

Hartosch, Katja; Heuer, Linda; Lang, Julia & Ulrich, Angela (2025): Stakeholder-Perspektiven auf die Berufsberatung im Erwerbsleben (BBiE). Ergebnisse einer qualitativen Studie. IAB-Forschungsbericht 22/2025.

Osiander, Christopher; Senghaas, Monika; Stephan, Gesine; Struck, Olaf & Wolff, Richard (2020): Befragung zum Kurzarbeitergeld in Corona-Zeiten: Bei niedrigen Einkommen wird eine höhere Erstattungsquote als angemessen erachtet. IAB-Kurzbericht 17/2020.

Schmieder, Johannes; Trenkle, Simon (2020): Disincentive effects of unemployment benefits and the role of caseworkers, Journal of Public Economics 182.

Senghaas, Monika; Osiander, Christopher; Stephan, Gesine, Struck, Olaf & Wolff, Richard (2023): The perceived fair duration of unemployment benefits for older workers. The role of lifetime achievements in the labour market. International Journal of Social Welfare, 32(2): 164-177.

Senghaas, Monika; Theuer, Stefan; Wuppinger, Johanna (2023): Implementationsstudie zur Erprobung des idealtypischen Kundenkernprozesses in der arbeitnehmerorientierten Vermittlung. IAB-Forschungsbericht 14/2023.

Stephan, Gesine; Büttner, Thomas; Lang, Julia & Schewe, Torben (2026): Fördermaßnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung: Positive Effekte auf die Beschäftigungschancen. IAB-Kurzbericht 12/2026.

Partnerinstitut

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Das Thema wird betreut von

Dr. Monika Senghaas

Monika Senghaas studierte Wirtschaftspsychologie und Europastudien an den Universitäten Lüneburg, Frankfurt/Oder und Brno. Von 2008 bis 2013 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Leipzig. Dort erfolgte ihre Promotion zu den Zusammenhängen zwischen Sozialstaats- und Nationenbildung. Seit 2015 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Sozialpolitikforschung. Sie beschäftigt sich mit der Umsetzung von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in der Arbeitsverwaltung, dem Erleben von Arbeitslosigkeit und Leistungsbezug und Gerechtigkeitsvorstellungen im Zusammenhang mit Sozialpolitik.

Lust mitzumachen? Dann meldet euch hier an:

Die Anmeldung für das YES! 2027 ist für Schülerteams ab dem 02. November möglich. Schulteams ab der 10. Klasse können am Wettbewerb teilnehmen.

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