Milch ist für viele Menschen Alltagsprodukt, doch zunehmend wird Haferdrink als pflanzliche Alternative angeboten. Welche Umweltauswirkungen haben beide Produkte? Ist Haferdrink grundsätzlich umweltfreundlicher? Und was bedeutet ein veränderter Konsum für landwirtschaftliche Flächen und das Landschaftsbild?
Die Studie „Das Potenzial einer grünlandbasierten Milchproduktion in Deutschland“ untersucht, wie sich die Milchproduktion verändern würde, wenn Rinder überwiegend mit Gras und Heu statt mit Kraftfutter ernährt würden. Die Ergebnisse zeigen: Eine vollständig grünlandbasierte Produktion würde deutlich weniger Milch liefern als heute, gleichzeitig aber große Ackerflächen freisetzen, die derzeit für Futtermittelanbau genutzt werden. Diese Flächen könnten für pflanzliche Lebensmittel, extensivere Landwirtschaft oder Naturschutz genutzt werden. In manchen Regionen wäre auch eine Wiedervernässung von Mooren möglich, mit positiven Effekten für Klima und Biodiversität, aber auch mit einer deutlichen Veränderung des Landschaftsbildes: Aus intensiven Wiesen könnten Feuchtgebiete oder Schilfflächen werden. Die Studie zeigt zudem, dass grünlandbasierte Milchproduktion Treibhausgasemissionen zwar senken, aber nicht vollständig vermeiden kann – vor allem durch Verdauungsprozesse der Rinder und Düngerlagerung bleibt Milch nicht klimaneutral.
Der Bericht „Sichtbarmachung versteckter Umweltkosten der Landwirtschaft am Beispiel von Milchproduktionssystemen“ vergleicht verschiedene deutsche Milchbetriebe – konventionell versus ökologisch, mit und ohne Weidehaltung. Betrachtet werden nicht nur direkte Kuh-Emissionen, sondern auch Futtermittelanbau, Stallhaltung, Düngerlagerung und Weidenutzung. Untersuchte Indikatoren sind Klimawirkung, Flächen- und Wasserverbrauch, Versauerung und Eutrophierung (Nährstoffüberschuss in Gewässern durch Dünger oder Gülle). Die Umweltwirkung von Milch hängt stark vom Produktionssystem ab. Weidehaltung mit hohem Grasanteil kann Vorteile bringen, besonders bei reduziertem Kraftfuttereinsatz.
Die dritte Studie, „Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland“, vergleicht Lebensmittel anhand mehrerer Umweltindikatoren: Treibhausgasausstoß, Flächen- und Wasserverbrauch, Phosphatbelastung. Haferdrink schneidet dabei deutlich besser ab als Vollmilch. Der Ersatz von Milch durch Haferdrink kann somit bestimmte Umweltwirkungen verringern.
Allerdings sind beide Produkte nicht vollständig vergleichbar: Sie unterscheiden sich in Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Ein reiner Mengenvergleich greift daher zu kurz, auch Nährstoffgehalt und Ernährungsfunktion müssen berücksichtigt werden.
Für die Landschaft stellt sich zudem die Frage, wie frei werdende Flächen künftig genutzt werden. Intensiver Ackerbau würde größere, einheitlichere Felder bedeuten; extensive Nutzung, Grünlanderhalt oder Wiedervernässung könnten dagegen vielfältigere, naturschutzfachlich wertvollere Landschaften schaffen.
Der Forschungsgegenstand verbindet somit drei Ebenen: den ökologischen Fußabdruck der Produkte, die Art ihrer landwirtschaftlichen Herstellung und mögliche Folgen für die Landschaft. Die zentrale Forschungsfrage lautet:
Welche Umweltwirkungen hat der Konsum von Kuhmilch im Vergleich zu Haferdrink, und wie kann diese Konsumentscheidung die landwirtschaftliche Nutzung und das Landschaftsbild in Deutschland beeinflussen?
Dabei geht es nicht nur um den direkten Produktvergleich pro Liter, sondern auch um die Frage, welche strukturellen Veränderungen in Landwirtschaft und Landschaft durch einen veränderten Konsum entstehen könnten.


