Generative künstliche Intelligenz (KI) ist in der Arbeitswelt angekommen: Laut IAB-Betriebspanel 2025 nutzt etwa jeder vierte deutsche Betrieb sie (Friedrich & Kagerl, 2026), in wissensintensiven Berufen noch häufiger (BIBB, 2026). Schule, Ausbildung und Hochschule bereiten also auf eine Arbeitswelt vor, in der KI Alltag ist.
Die Forschung zeigt ein Spannungsfeld. KI kann Leistung steigern: In einer Studie mit über 5.000 Kundendienst-Mitarbeitenden stieg die Produktivität um rund 14 %, bei Neulingen deutlich stärker (Brynjolfsson et al., 2025). KI kann aber auch Lernen behindern: Schüler, die in einem Experiment frei mit GPT-4 übten, schnitten ohne KI schlechter ab als die Kontrollgruppe (Bastani et al., 2025). Die OECD (2026) beschreibt ähnlich, dass KI Ergebnisse oft verbessert, aber nicht automatisch das Lernen. In einer Befragung von 319 Wissensarbeitenden ging mehr Vertrauen in KI mit weniger kritischem Denken einher (Lee et al., 2025). Der Wissenschaftsrat (2026) stellt für die Hochschulbildung die „intellektuelle Souveränität“ in den Mittelpunkt und behandelt u. a. Kompetenzverlust (De-Skilling) und angepasste Prüfungsformate.
Die Herausforderung: Wenn Antworten jederzeit verfügbar sind, zählt im Beruf womöglich weniger, Informationen zu haben, als sie zu prüfen, einzuordnen und zu verantworten. Dafür braucht es vermutlich grundlegendes Fachwissen, mit dem man KI-Antworten auf Plausibilität prüfen kann, und Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kreativität, Empathie oder Verantwortungsbewusstsein, die in Bildung und Ausbildung aufgebaut werden müssen.
Daraus ergeben sich drei Teilfragen: (1) Wann unterstützt KI das Lernen, wann behindert sie es? (2) Wie verändern sich die Rolle der Lehrenden und der Unterricht? (3) Welche Fähigkeiten gewinnen im Berufsleben an Bedeutung?


