Hausärztinnen und Hausärzte sind für die meisten Menschen die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen und damit das Fundament der medizinischen Versorgung in Deutschland. Wie viele Hausärzte eine Region braucht, legt die sogenannte Bedarfsplanung fest. Sinkt der Versorgungsgrad unter 75 Prozent, gilt eine Region als unterversorgt. Dabei zeigt sich folgendes Problem: Städte und ihr Umland sind meist gut versorgt, während es vielen ländlichen Regionen immer schwerer fällt, frei werdende Praxen nachzubesetzen.
In Niedersachsen wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren verschärfen. Viele Hausärztinnen und Hausärzte gehören zur Generation der „Babyboomer“ und gehen bald in den Ruhestand. Ohne Nachwuchs würde die hausärztliche Kapazität bis 2040 um rund zwei Drittel sinken. Gleichzeitig altert die Bevölkerung, sodass der Versorgungsbedarf steigt. Selbst wenn weiterhin so viele Ärztinnen und Ärzte nachrücken wie bisher, steigt die Zahl der unterversorgten Regionen von zwei im Jahr 2025 auf 16 im Jahr 2040. Bemerkenswert ist: Auch bei deutlich mehr Nachwuchs bleiben viele Regionen unterversorgt, weil sich neue Ärztinnen und Ärzte vor allem dort niederlassen, wo die Versorgung ohnehin gut ist. Das Problem ist also nicht nur, wie viele Ärzte es gibt, sondern vor allem, wo sie arbeiten (Thomsen et al., 2026).
Die Gründe, warum junge Ärztinnen und Ärzte den ländlichen Raum meiden, sind vielfältig. Die Übernahme einer eigenen Praxis bedeutet hohe Investitionen und unternehmerisches Risiko. Viele wünschen sich stattdessen eine Anstellung, Teilzeitmodelle und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie, was in Einzelpraxen auf dem Land oft schwer umzusetzen ist. Hinzu kommen Faktoren jenseits der Medizin: Arbeitsplätze für Partnerinnen und Partner, Kitas und Schulen, Verkehrsanbindung oder Freizeitangebote. Die Politik hat bereits reagiert, etwa mit der Landarztquote, über die Niedersachsen seit 2022 Medizinstudienplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergibt, die sich verpflichten, später in unterversorgten Regionen tätig zu sein. Wegen der langen Ausbildung aus Studium und Facharztweiterbildung von zusammen rund elf bis zwölf Jahren wirken solche Maßnahmen jedoch erst mit großer Verzögerung.
Für Schülerinnen und Schüler ist das Thema doppelt relevant: Sie sind die Ärztinnen und Ärzte von morgen und zugleich die Patientinnen und Patienten, die künftig auf eine erreichbare Hausarztpraxis angewiesen sind.

