Die Ergebnisse der PISA-Studie zeigen für Deutschland historische Tiefstände bei Basiskompetenzen wie Lesen und Mathematik. Ein Drittel der Jugendlichen verfehlt grundlegende Kompetenzniveaus, und auch im oberen Leistungsdrittel sinkt das Niveau. In der bildungspolitischen Landschaft werden die Ergebnisse breit diskutiert, und zwar von Millionen Eltern, den ca. 800.000 Lehrkräften und zahlreichen Bildungsforschern. Das deutsche Bildungsystem – so heißt es – sei „teuer, aber ungerecht“.
Stimmt das? Und, wenn ja: Was folgt daraus? Ein Handyverbot (für alle?), mehr Geld (wofür?), Stärkung digitaler Medien (welcher?), längeres gemeinsames Lernen (wie lang?), Stärkung einzelner Fächer (welcher?), Abkehr vom Fachunterricht und Hinwendung zu Projekten (welchen?) – unzählige Vorschläge werden tagtäglich unterbreitet. Häufig ist dabei nicht ganz klar, welche Vorschläge auf tatsächlich messbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen gründen („Evidenzbasierung“) und welche nur auf persönlichen Erlebnissen („anekdotische Evidenz“) oder Vorlieben („Ideologie“) basieren. Was also wirkt wirklich? Wie kann der Unterrichtsalltag systematisch verbessert und das deutsche Bildungssystem aus der Krise geführt werden? Brauchen wir andere Inhalte und/oder neue, innovative Lehr-Lern-Formate? Gibt es Erkenntnisse moderner Wissenschaften, die unsere Art zu unterrichten vielleicht sogar revolutionieren könnten?
Zu diesen Fragen möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen. Dazu präsentieren wir aktuelle bildungs- und verhaltensökonomische sowie fachdidaktische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, die Ihnen einen ersten Überblick zum Stand der Bildungsforschung vermitteln. „Von der Old School zur New School“ – diesen Weg möchten wir mit Ihnen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und fernab parteipolitischer Ideologien oder Grabenkämpfe gemeinsam gehen.
Bei der Suche nach einer klugen Antwort auf die zentralen Fragen stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Dazu vorab nur drei Aspekte, die aus wissenschaftlichen Studien bekannt sind, aber nur selten diskutiert werden:
1) Erfolg im Leben hat, wer geduldig ist: Wir wissen, dass „Ausdauer“ wichtiger ist als Talent. Genau genommen ist die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub, wie man das wissenschaftlich nennt, für schulische Leistungen noch bedeutsamer als der IQ. Aber wie können wir Geduld und Ausdauer im Schulalltag trainieren?
2) Erfolg im Leben hat, wer Problemlösen lernt:
In unseren Schulen und Universitäten wird zu häufig „Pauken“ mit echtem Lernen verwechselt – und schon zwei Wochen nach der Klausur ist wieder alles vergessen. Nachhaltig lernt hingegen, wer auf echtes Verstehen durch Problemlösen setzt. Das hilft nicht nur beim Abitur, sondern auch im Studium und im späteren Beruf. Wie können wir das realisieren?
3) Erfolg im Leben hat, wer kluge Entscheidungen trifft: Wir leben in einer Welt der Freiheit, aber auch der Ungewissheit und des Risikos (Risiko- bzw. Multioptionsgesellschaft). Das Trainieren guter Entscheidungen steht aber dennoch nicht – oder nur sehr selten – im Lehrplan. Wie lässt sich das ändern?

