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Wie können Nachhaltigkeitspraktiker:innen emotional bei ihren beruflichen Herausforderungen unterstützt werden?

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein komplexes, sondern auch ein emotionales Thema. Unter dem Begriff „Klimaemotionen“ werden emotionale Reaktionen auf den Klimawandel zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise Angst, Wut, Schuld, Hoffnung oder Ohnmacht. Diese Emotionen beeinflussen, wie Menschen die Klimakrise wahrnehmen, über sie sprechen und auf sie reagieren. Auch im beruflichen Nachhaltigkeitskontext können sie eine wichtige Rolle spielen: Menschen, die nachhaltige Veränderungen voranbringen möchten, begegnen komplexen Zielkonflikten, unterschiedlichen Interessen, Widerständen und der Erfahrung, dass notwendige Veränderungen häufig langsamer vorangehen als erhofft. Wie können sie mit den damit verbundenen emotionalen Herausforderungen umgehen und handlungsfähig bleiben?

Das Institut für Nachhaltigkeitscoaching (INC) an der Universität Bremen beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie Menschen dabei unterstützt werden können, sich emotional und persönlich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und nachhaltige Veränderungen aktiv mitzugestalten. Eine wesentliche Rolle dabei spielt, aus unserer Sicht, die emotionale Kompetenz. Darunter verstehen wir die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen und zu verstehen, mit ihnen konstruktiv umzugehen und sie bewusst für das eigene Denken und Handeln zu nutzen. Emotionale Kompetenz kann dazu beitragen, persönliche Handlungsspielräume zu erkennen, mit Unsicherheit umzugehen und auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Aktuelle Forschung zeigt, dass Nachhaltigkeitspraktiker:innen sich insbesondere dann gestärkt fühlen, wenn sie die Gelegenheit dazu erhalten, ihre Gedanken und Gefühle zu reflektieren, persönliche Motive zu erkunden und sich in einem geschützten Rahmen emotional auszudrücken (siehe Scheering & Zimmermann, 2025). Dies verdeutlicht, dass Nachhaltigkeitskompetenz nicht allein fachliches Wissen voraussetzt, sondern auch die bewusste Auseinandersetzung mit der emotionalen Dimension nachhaltiger Entwicklung umfasst.

Hier setzen wir vom INC an: Menschen sollen nicht nur wissen, was für eine nachhaltige Zukunft notwendig ist, sondern auch darin gestärkt werden, entsprechende Veränderungen anzustoßen und langfristig mitzugestalten. Angesichts der weiterhin bestehenden Lücke zwischen Wissen über Nachhaltigkeit und tatsächlichem Handeln stellt sich deshalb die Frage, wie emotionale Unterstützung einen Beitrag zu nachhaltigem Handeln leisten kann.

Im Rahmen des YES!-Schülerwettbewerbs möchten wir die Schülerteams in den Diskurs darüber mit einbeziehen, welche emotionalen Herausforderungen Nachhaltigkeitspraktiker:innen in ihrem Berufsalltag erleben, welche Unterstützungsbedarfe daraus entstehen und wie geeignete Lösungen aussehen könnten. Daher fragen wir uns:

Wie können Nachhaltigkeitspraktiker:innen emotional bei ihren beruflichen Herausforderungen unterstützt werden?​

zur Anmeldung

Must-Read-Literatur

Heidenreich, V. (2025). Zwischen Angst und Handlung: Klimaemotionen als Schlüssel für Resilienz und Bildungstransformation. Hochschule Freiburg, KlimaWandelBar, 1. (Link)

Huber, M. (2018). Emotionale Markierungen – Zum grundlegenden Verständnis von Emotionen für bildungswissenschaftliche Überlegungen. In M. Huber & S. Krause (Hrsg.), Bildung und Emotion (S. 91–110). Wiesbaden: Springer VS. (Link)

Rietze, S., Kühner, C., & Zacher, H. (2025). Personalpraktiken zur Förderung umweltfreundlichen Verhaltens: Green Human Resource Management. In Umweltfreundliches Verhalten am Arbeitsplatz: Ökologisch nachhaltige Organisationen gestalten (pp. 111–138). Springer. (Link)

van Bronswijk, K. & C. M. Hausmann, C. M. (2022)(Hrsg.). Climate Emotions – Klimakrise und psychische Gesundheit.​Gießen: Psychosozial Verlag. (Link)
Insbesondere empfohlen werden folgende Kapitel aus dem Buch:​

  • Heinzel, S. (2022).**Klima-Angst – Eine angemessene Reaktion auf eine maßlose Krise? (S. 129–144).​

  • Hausmann, C. M., Dohm, L., Peplau, T., & Sani, K. (2022). Schuld und Schuldgefühle im Zusammenhang mit der Klimakrise – Eine interdisziplinäre Weiterentwicklung von Schulderleben. (S. 145–164).​

  • Nicolai, S. (2022). Climate Anger – Handlungsaktivierung im Klimaaktivismus durch Zorn und die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit(S. 165–184).​

van Bronswijk, K., Keller, C., Siemann, B., & Bechtoldt, M. (2022). Die Rolle „positiver“ Emotionen in der Klimakrise (S. 209–228).​

Weiterführende Literatur

Gebhardt, N., van Bronswijk, K., Bunz, M., Müller, T., Niessen, P., & Nikendei, C. (2023). Scoping Review zu Klimawandel und psychischer Gesundheit in Deutschland – Direkte und indirekte Auswirkungen, vulnerable Gruppen, Resilienzfaktoren. Journal of Health Monitoring, 8,​4. (Link)

Huber, M. (2023). Emotionen. In M. Huber & M. Döll (Hrsg.), Bildungswissenschaft in Begriffen, Theorien und Diskursen(S. 139–146). Wiesbaden: Springer VS. (Link)

Ogunbode, C. A., Doran, R., Hanss, D., Ojala, M., […] & Karasu, M. (2022). Climate anxiety, wellbeing and pro-environmental action: correlates of negative emotional responses to climate change in 32 countries. Journal of Environmental Psychology, 84, 101887. (Link)

Pihkala, P. (2022). Toward a Taxonomy of Climate Emotions. Frontiers in Climate, 3:738154. (Link)

Seyfried, L.-M., & Scheering, J. (2025). Klimaemotionen im Bildungsprozess berücksichtigen: Coaching und Persönlichkeitsentwicklung als Ansätze für emotionssensible BNE. In M. Kondratjuk, S. Wippermann, U. Müller, I. Schmidberger, & T. Stricker (Eds.), Bildungsmanagement zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Hochschule und Weiterbildung (pp. 211–233). wbv Publikation. (Link)

Scheering, J. & Zimmermann, C. L. (2025). Empowering Sustainability Practitioners: The Role of Emotional Competencies for Climate Literacy. In Leal Filho, W., Sima, M., Lange Salvia, A., Kovaleva, M., & Manolas, E. (Eds.), University Initiatives on Climate Change Education and Research (pp. 1-25). Springer, Cham. (Link)

Partnerinstitut

Institut für Nachhaltigkeitscoaching (INC) der Universität Bremen

Universität Bremen

Das Thema wird betreut von

Juliane Scheering

Juliane Scheering ist Wirtschaftspsychologin, zertifizierte Coach (nach den Standards der EASC) und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Nachhaltiges Management der Universität Bremen. In ihrer Dissertation erforscht sie die Bedeutung von Klimaemotionen in Arbeitskontexten sowie die Persönlichkeitsentwicklung als Bestandteil von Klimabildung.

Am INC der Universität Bremen verantwortet sie den Bereich Transfer. Dabei fokussiert sie sich auf die Vernetzung des Instituts mit Praktiker:innen, Coaches und Bildungsinstitutionen. Ziel dabei ist es, im innovativen Praxisfeld des Nachhaltigkeitscoachings Verbindungen zwischen Praxispartner:innen und dem Institut aufzubauen, um im Sinne einer entdeckenden und erkundenden Forschung praxisrelevante Konzepte für ein Nachhaltigkeitscoaching zu entwickeln und zu verbreiten.

Darüber verfügt Juliane Scheering über vielfältige Praxiserfahrung in den Bereichen Marktforschung, Customer und Social Media Marketing, Personalentwicklung, Wissenschaftskommunikation sowie qualitativer Sozialforschung. Beruflich wie privat liegen ihr Themen rund um Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Persönlichkeitsentwicklung am Herzen.

Dr. Nadine Husenbeth

Dr. Nadine Husenbeth bringt als Lehrende und Wissenschaftlerin des Fachgebiets Nachhaltiges Managements fundierte Expertise sowie als Leistungssportlerin und systemische Coach Erfahrung in der Begleitung individueller Entwicklungsprozesse in ihre Rolle als Koordinatorin für Forschung am INC ein und unterstützt das Ausbildungsteam unserer Coaching-Fortbildung. Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen fließen in die Entwicklung und Erforschung eines Konzepts des Nachhaltigkeitscoachings zur Begleitung komplexer Rollenentwicklung ein. 

Nadine Husenbeth bringt dabei eine große Portion Neugierde und Zielorientierung in ihre Aufgabe ein und kennt aus eigener Erfahrung die unterschiedlichen Herausforderungen, in verschiedenen Rollen (Lehrende, Wissenschaftlerin, Coach und Leistungssportlerin) unterwegs zu sein.

Lust mitzumachen? Dann meldet euch hier an:

Die Anmeldung für das YES! 2027 ist für Schülerteams ab dem 02. November möglich. Schulteams ab der 10. Klasse können am Wettbewerb teilnehmen.

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